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Azubis als Chefs

Wir machen die nächste Generation fit

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ weissagt ein Sprichwort, dass sicherlich schon die Groß- und Urgroßeltern gehört haben. Und sicherlich müssen und können unsere Auszubildenden von ihren Praxisanleitenden und den anderen Pflegekräften viel lernen. Doch irgendwann ist die Ausbildung vorbei und von einem Tag auf den anderen ändert sich plötzlich die Rolle. Der ehemalige Auszubildende ist nun anerkannte Fachkraft und muss nun andere anleiten und selbst wichtige Entscheidungen treffen. Für viele junge Menschen eine ungewohnte und vor allem ungeübte Herausforderung. Also machen wir regelmäßig die Lehrjahre zu Herrenjahren, genauer genommen zu Herrenwochen, und üben mit den Azubis das Chef-Sein.

Wir besuchen unseren Azubi Jason Mönner. Er ist im dritten Lehrjahr und absolviert in unserer Ludwigsfelder Spezialeinrichtung für Menschen mit Demenz seinen vierwöchigen Pflichteinsatz in der psychiatrischen Versorgung. Hier soll er beobachten und Erfahrungen mit Menschen sammeln, deren Wahrnehmung und Verhalten nicht dem gewohnten Verständnis von Realität entspricht: wie geht man mit diesen Menschen um, wie nehmen sie einen selbst war und wie gestaltet man den pflegerischen und therapeutischen Alltag mit ihnen. An und für sich bereits eine spannende Herausforderung. Doch nun ist er eine ganze Woche auch noch der Chef.

Azubis als Chefs

Jason ist eine Woche lang leitende Pflegefachkraft für eine ganze Einrichtung mit 50 Menschen, die an schwerer Form von Demenz erkrankt sind. Wie ist das? „Ich war ganz schön aufgeregt. Es ist schwierig, sich in diese Rolle einzufinden und selbst Anweisungen zu geben.“ Damit Jason Chef werden konnte, haben wir unsere Einrichtungsleiterin Daniela Seidlitz abgesetzt. Sie läuft nun als normale Pflegekraft unter Jason Mönner im Dienst mit. „Komisch, seine eigene Chefin zu bitten, Dinge für einen zu erledigen. Normalerweise ist sie ja diejenige, die die Arbeit unter den Kollegen aufteilt“, resümiert er nach den ersten Tagen. Doch nicht nur diese Aufgabe kam nun hinzu. Sprichwörtlich standen ihm alle Türen und Zugänge uneingeschränkt offen. Doch mit dieser Freiheit folgte auch die Verantwortung. Nun hatte Jason Mönner zwar uneingeschränkten Zugang zu den Medikamenten, musste aber diese auch vorbereiten, ausgeben, mit Ärzten und Neurologen Begutachtungen besprechen, Medikamentenpläne anpassen, Neubestellungen beauftragen und die Lieferungen mit den Apotheken abstimmen und überwachen. Auch die Angehörigenkommunikation liegt nun in seiner Verantwortung. So bekommt er als Azubi einen Rund-um-Blick in die Infrastruktur und die verschiedenen Interessensgruppen einer stationären Einrichtung. „Ich hätte mir gar nicht vorstellen wollen, wie es wäre, ohne diese Erfahrung in wenigen Monaten als Pflegefachkraft ins kalte Wasser springen zu müssen. Ich glaube nicht, dass das funktioniert hätte. Jetzt kann ich immer nochmal jemanden fragen, wenn ich unsicher bin.“ Bereits nach wenigen Tagen merkt Jason, dass er zunehmend sicherer in seinen Aufgaben wird. „Ich habe mehr Selbstbewusstsein entwickelt.“ Klar wäre es ihm lieber, wenn er noch mehr Zeit als Chef auf Probe im Demenz-Heim hätte. In nur wenigen Wochen sind Abschlussprüfungen und dann ist er tatsächlich als Pflegfachkraft in der Verantwortung. Aber sein Pflichteinsatz endet zeitgleich mit seinem Chefposten. Dann geht er wieder zurück in seine angestammte Ausbildungseinrichtung, der ASB Seniorenresidenz in Rangsdorf, und in die Schule für die Prüfungen lernen. „Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen mitnehmen kann“, fasst Jason am Ende der Woche das Experiment zusammen. Auch Einrichtungsleiterin Daniela Seidlitz ist begeistert: „Es ist wirklich sehr gut gelaufen. Jason hat bereits viele Kompetenzen mitgebracht und binnen kürzester Zeit wichtige neue entwickelt. Wir würden uns sehr freuen, wenn er nach seiner Ausbildung wieder zu uns käme.“

Über die Pflegeausbildung

In der dreijährigen generalisierten Pflegeausbildung haben die Azubis immer wieder mehrwöchige Pflichteinsätze in anderen Einrichtungen. So lernen sie, alle Menschen zu pflegen – egal in welchem Alter und an welchem Pflegeort. Ebenso lernen sie so verschiedene Betriebsstrukturen kennen. Beim ASB profitieren die Azubis von den vielen Einsatzmöglichkeiten innerhalb der eigenen Organisation. Darüber hinaus unterhält der ASB Mittel-Brandenburg ein Kooperationsnetzwerk mit Krankenhäusern und anderen Einrichtungen, um eine noch breitere Vielfalt an Einsätzen während der Ausbildung anbieten zu können. Im Rahmen der Pflegefachkraftausbildung beim ASB Mittel-Brandenburg übernehmen unsere Azubis in allen Lehrjahren immer wieder wochenweise die Verantwortung und werden so Stück für Stück fit für die Zukunft gemacht. Nach Ende der Ausbildung werden sie direkt übernommen, können sich aber aussuchen, in welcher Einrichtung sie künftig tätig werden wollen. Für die Pflegeausbildung benötigt man mindestens eine erweiterte Berufsbildungsreife. Alternativ qualifiziert die einjährige Ausbildung zum examinierten Pflegehelfer für die Fachkraftausbildung. Das Ausbildungsentgelt gehört zu den branchenübergreifend höchsten in der Region. Je nach Lehrjahr bezahlt der ASB Mittel-Brandenburg seinen Auszubildenden 1.200-1.400 Euro brutto plus Zulagen und Prämien.

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